Unternehmensdemokratie und Menschenbild

 

[av_textblock size=” font_color=” color=” id=” custom_class=” av-medium-font-size=” av-small-font-size=” av-mini-font-size=” av_uid=’av-k3zxpfe7′ admin_preview_bg=”] Jeder von uns läuft mit einem irgendwie gearteten Menschenbild durch die Gegend. Privat wie beruflich. Wir haben uns im Laufe der Jahre (un)bewusst ein Bild davon gemacht, wie Menschen so im Allgemeinen ticken, was sie für generelle gemeinsame Muster aufweisen, welche grundlegenden Bedürfnisse sie haben, was veränderlich ist und was nicht und so weiter und so fort. Dieses Menschenbild wird – zumeist ohne das bewusst zu reflektieren – zur Grundlage unserer jeweiligen subjektiven Theorien darüber, wie Unternehmen und Organisationen gestaltet sein sollten, damit die darin zu erledigende Arbeit optimal geleistet werden kann. Im Zusammenhang von Unternehmensdemokratie, Mitbestimmung, Partizipation, Selbstorganisation oder wie auch immer man es nennen mag, wenn alle Mitarbeiter prinzipiell dazu eingeladen werden, nicht nur die eigene Arbeit selbst zu organisieren, sondern auch an der Gestaltung und Steuerung des Unternehmens teilzunehmen; in diesem Zusammenhang höre oder lese ich immer wieder dasselbe Argument: Die Mitarbeiter wollen gar nicht und außerdem können sie auch nicht. Da taucht bei mir die Frage auf, welches Menschenbild und welche Erwartung eigentlich hinter dieser Annahme stecken? Gehen wir mal davon aus, dass ein Unternehmen bereits seit 10, 50 oder gar 100 Jahren besteht (und dann wäre es ein ausgesprochen erfolgreiches Unternehmen!) und in dieser Zeit klassisch gestaltet und gesteuert wurde. Sprich: Es gab die übliche Hierarchie mit Weisungsbefugnis, schön abzulesen an den bekannten Organigrammen. Es gab klare Funktionen, Verantwortlichkeiten und damit verbundene Gestaltungsmacht. In einer solchen Struktur und Kultur haben dann jahre- oder sogar jahrzehntelang Mitarbeiter und mittlere Führungskräfte täglich gearbeitet. Alle diese Menschen haben sich mit den Jahren daran gewöhnt, damit arrangiert, dass sie keine wichtigen Entscheidungen zu treffen haben; dass sie gesagt bekommen, welche Arbeit sie zu verrichten haben und häufig genug auch noch, wie sie ihre Arbeit erledigen sollen. Dann kommt jemand oder auch mehrere Personen, und wollen mehr Mitbestimmung, Selbstorganisation, Dezentralisierung oder was auch immer in der Art. Was genau sollen dann die Menschen, die die alte Struktur und Kultur verinnerlicht haben, machen? Sollen sie plötzlich begeistert Verantwortung übernehmen? Und dann auch noch kompetent entscheiden und handeln, wo in vielen Fällen die Fach- und Sachkompetenz fehlt? Wie soll das gehen? Welche Vorbereitung haben denn die Entscheider genossen, um kompetent entscheiden und handeln zu können? (Mal abgesehen davon, dass wir alle genügend CEOs kennen, die ganze Unternehmen mit Ihrer Kompetenz an die Wand gefahren haben…). Die, die jetzt – und das finde ich ganz ohne Ironie wirklich wunderbar – Gestaltungsmacht teilen wollen, die die jetzt auch den Pförtner einbinden wollen, die haben meistens jahrelang studiert. Und dann über die Jahre immer wieder Fort- und Weiterbildung genutzt, um genau die Kompetenz aufzubauen, die den Mitarbeitern als Mangel ausgewiesen wird. Woher soll denn die Kompetenz kommen, wenn sie nicht Stück für Stück geduldig aufgebaut wird? Und dann ist da noch die Frage des Wollens. Warum sollte jemand, der schon diverse Change Prozesse erlebt hat, mal in die eine Richtung dann in die andere, mal Zentralisierung, dann wieder Dezentralisierung, warum sollte der oder die dieses mal davon ausgehen, dass es wirklich dauerhaft um eine Mitbeteiligung an der Unternehmensgestaltung und -steuerung geht? Da muss natürlich erst mal Misstrauen abgebaut werden. Hier liegt die Verantwortung beim Top-Management, in einen Vertrauensvorschuss zu gehen. Es reicht nicht, jetzt Mitbestimmung anzubieten, auch wenn sie ernst gemeint ist. Ergänzend ist es sicher nicht immer, aber häufig ein zentraler Erfolgsfaktor, mit Weitsicht und Umsicht das Wollen und das Können zu ermöglichen. Das haben die Unternehmen, die ich in “Alle Macht für niemand” portraitiert habe (S. xx – yy) in den letzten Jahren erfolgreich vorgelebt. Echte Mitbestimmung ist möglich.   Herzliche Grüße Andreas Zeuch [/av_textblock]

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