"Arbeit" neu erfinden

 

[av_textblock size=” font_color=” color=” id=” custom_class=” av-medium-font-size=” av-small-font-size=” av-mini-font-size=” av_uid=’av-k3zxxhim’ admin_preview_bg=”] Wo kommt eigentlich der Begriff Arbeit her? Und welche Bedeutungsgeschichte ist damit verbunden? Ich war überrascht und erschreckt. Tatsächlich hatte ich keine Ahnung, welche Bedeutung eigentlich hinter der allgegenwärtigen Arbeit steckt. Indes finde ich es durch und durch bezeichnend, dass wir heute immer noch mit demselben Wort hantieren, obwohl es doch längst nicht mehr das widerspiegelt, was sich die meisten Menschen wünschen. Und glücklicherweise auch nicht mehr das, was die meisten von uns real erleben. Ganz so schlimm ist es glücklicherweise doch nicht mehr. Jetzt erst mal zur Wortherkunft:

  • „Das Wort Arbeit ist gemeingermanischen Ursprungs … die Etymologie ist unsicher; evtl. verwandt mit indoeurop. „verwaist“, „Waise“, „ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdungenes Kind“ … evtl. auch verwandt mit aslaw. robota („Knechtschaft“, „Sklaverei“).
  • Im Alt- und Mittelhochdeutschen überwiegt die Wortbedeutung „Mühsal“, „Strapaze“, „Not“; redensartlich noch heute Mühe und Arbeit…
  • Das französische Wort travail hat eine ähnliche, sogar noch extremere Wortgeschichte hinter sich: es leitet sich von einem frühmittelalterlichen Folterinstrument ab.
  • Das italienische lavoro und englische labour … gehen auf das lateinische labor zurück, das ebenfalls primär „Mühe“ bedeutet.“ (Wikipedia Artikel “Arbeit_Sozialwissenschaften”)

Das sollte zu Denken geben, oder? Wollen wir – unter diesen Vorzeichen – arbeiten gehen? Ich nicht. Und die meisten von uns wohl auch nicht, vermute ich einfach mal so, ganz unwissenschaftlich. Allerdings wird wohl kaum einer seine legitim angetretene Arbeit als Sklaverei im historischen Sinne verstehen. Niemand trägt mehr Fußfesseln und wird bei Missfallen ausgepeitscht. Immerhin ein gewisser Fortschritt. Man könnte jedoch durchaus die Behauptung aufstellen, dass sklavenähnliche Arbeit, sprich: der Zwang zur Arbeit unter Bedingungen, die keine echte Freiwilligkeit und Freude bedeuten, heute sublimiert stattfindet. Das zumindest impliziert das Menschenbild, das heute vielen Unternehmen, ihrer Struktur und Kultur immer noch zugrunde liegt. Die Mitarbeiter sind grundsätzlich nicht an der Arbeit  interessiert und müssen deshalb extrinsisch motiviert und darüber hinaus regelmäßig kontrolliert werden. Letzteres auch deshalb, weil sie natürlich zur Eigennutzemaximierung tendieren und somit jederzeit versuchen werden, den Arbeitgeber zu übervorteilen – was ja auch in der Prinzipal-Agent Theorie (Moral Hazard) neben dem Bild des Homo oeconomicus seinen wirtschaftstheoretischen Ausdruck findet. Wenn wir unsere Arbeitswelt menschlicher, sinnvoller und erfüllender gestalten wollen, dann sollten wir auch den Begriff der Arbeit endlich ersetzen. Sprache prägt. Unsere Wahrnehmung, unser Denken und Handeln. So wie verschiedene Sprachräume zutiefst mit teils reichlich unterschiedlichen Mentalitäten und Kulturen verknüpft sind. Solange wir weiterhin von Arbeit sprechen, mithin implizit von Mühsal, Strapazen oder gar Sklaverei, legen wir uns selbst auf einer tiefen subtilen Ebene Steine in den Weg. Wir reproduzieren unbewusst ein Bild, dass wir längst nicht mehr leben wollen. Vielleicht wäre eine Wortneuschöpfung gut. Etwas, was irgendwie mit den Begriffen Erfüllung, Leidenschaft, Talent und wahrlich nicht zuletzt Sinn zu tun hat. Herzliche Grüße Andreas Zeuch [/av_textblock]

Comments (1)

Dr. Martin Bartonitz

Ja, Arbeit deutet darauf hin, dass in den zurückliegenden Revolutionen nur die Manager getauscht wurden, nicht jedoch das Verständnis dafür, dass die Leibeigenen (=Sklaven) sich für die Herren abmühen durften. Da wundert es nicht, dass Arbeit diesen negativen Touch auch heute noch hat.
Ich las, das es in Rom galt, dass wer “arbeitslos” ist, er zur gehobenen Schicht gehörte, denn er konnte es sich leisten, für sich arbeiten zu lassen. Im Wesentlichen ist das auch heute so, nur dass wir über das Zinsgeldsystem diese Zuarbeit für Jene tun, die mehr als ca. 500.000 € auf dem Konto liegen haben.
Noch erahnen die Wenigsten etwas von der Fortsetzung der Sklaverei mit anderen Mitteln, schließlich sind Ketten und Peitschen schon lange verschwunden. Dafür steht über allen nun das Angst-verbreitenede Hartz IV System …

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