Was ist gute Unternehmensführung?

Silberrücken

Was ist gute Unternehmensführung? Ist das eine gute Frage? Ist sie überhaupt zu beantworten? Ich glaube ja und mach mich auf den Weg einer Spurensuche. Am Anfang stehen drei Gegenfragen: Was ist überhaupt der Zweck eines Unternehmens? Was meint dann “gut” für wen? Und wer führt das Unternehmen? Bereits die Antwort auf die erste Frage ist die relevante Weichenstellung: Dient das Unternehmen nur der Gewinnmaximierung? Oder hat es auch andere Zwecke? Die Frage wird leichter zu beantworten, wenn wir uns die Konsequenzen vor Augen führen. Wenn wir Milton Friedman folgen (“Der einzige soziale Zweck eines Unternehmens ist die Gewinnmaximierung.”), unterwerfen wir alles diesem Zweck. Fast Forward:

Unternehmensführung der Zukunft

2043, der erste CEO wurde durch einen IBM Watson IV abgelöst, der das Unternehmen erfolgreicher durch den Markt führt. Die Shareholder erfreuen sich der Gewinne, die rein maschinengesteuerte Unternehmen miteinander erzeugen. Das Paradies auf Erden für die Aktienbesitzer, die natürlich nicht mehr selbst entscheiden, welche Aktien sie kaufen, halten oder verkaufen. Sie zahlen nur noch eine Summe X ein und den Rest besorgen die Algos. Da sich die Aktienbesitzer langweilen, wenn sie nur aufs Konto sehen, schaffen sie sich wieder eigene, neue Arbeit… Zurück ins Hier und Jetzt: Wir können uns problemlos eine Welt ausmalen, in der so gut wie jede Arbeit (auch die des Top-Managements!) durch künstliche Intelligenz und Robotik ersetzt werden kann. Bohren wir dann alle in der Nase und glotzen Löcher in die Luft? Nein, genau in dieser drohenden Entwicklung steckt die große Chance, aus Arbeit als Sklaverei und Mühsal endlich etwas Neues, Positves, Lust- und Freudvolles zu machen – aber nicht nur für eine Elite, sondern für möglichst viele von uns. Insofern plädiere ich für die Abkürzung: Wir sollten JETZT die Entscheidung treffen, dass Unternehmen immer auch den Sinn haben, dem Gemeinwohl zu dienen und Möglichkeitsräume zur Selbstverwirklichung und zur Bereicherung des sozialen Lebens zur Verfügung zu stellen.

Zwei weitere, leitende Fragen

Gut für wen?

Zur zweiten Frage: “Gut” für wen?  Sofern wir die vorherige Frage nach dem Unternehmenszweck für einen Moment in der Schwebe halten, lassen sich die verschiedenen Antworten auf die Frage nach dem “gut für wen” besser beleuchten. “Gut” für eine ausgesuchte Gruppe von Menschen wie den Inhaber, die Geschäftsführung oder den Vorstand? Vielleicht etwas erweiterter “gut” auch für die leitenden Angestellten? “Gut” für die Kunden, B2B Partner im Sinne der Geschäftsbeziehung? “Gut” für alle Teilhaber oder Shareholder im engeren Sinn bei einer Aktiengesellschaft? Oder “gut” für die Belegschaft, also alle Angestellten, egal ob in Führungsposition oder nicht? Oder noch erweiterter “gut” für alle Stakeholder? Naheliegenderweise plädiere ich für die letzte Antwort: “Gut” für alle Stakeholder.
Warum? Im Innenverhältnis des Unternehmens betrifft das “gut” alle Angestellten unabhängig von ihrer Position und gegebenenfalls einen nicht angestellten Inhaber. An der Grenze zwischen Innen und Außen betrifft das “gut” auch alle freien MitarbeiterInnen. Der Erfolg des Unternehmens hängt maßgeblich von diesen Menschen ab. Solange sie nicht durch Roboter zu ersetzen sind (s.o.) oder – sinnvollerweise – nicht ersetzt werden sollten obwohl sie es könnten, solange betrifft die “gute” Unternehmensführung die Belegschaft. Wer den Eindruck hat, gut geführt zu werden, lässt sich erstens überhaupt führen, anstatt Dienst nach Vorschrift zu schieben oder innerlich zu kündigen, und wird zweitens seine Führungskraft unterstützen. “Gut” betrifft aber auch alle anderen im Außenverhältnis wie B2B Partner, die mit Sicherheit lieber liefern, wenn der Kunde gut mit ihnen umgeht. In der Logik geht es bezüglich aller anderen Stakeholder weiter. Alle haben mehr Freude an der Arbeit, vielleicht hat die Führungselite (sofern das Führungsmodell weiterhin eine Oligarchie oder Autokratie ist) etwas weniger Geld auf dem Konto, dafür aber ernten sie öfter ein Lächeln der MitarbeiterInnen. Lediglich sadistisch veranlagten Chefs wird der Spaß am Command-and-control verloren gehen. Pech, shit happens.

Wer führt das Unternehmen?

Und wer führt das Unternehmen? Die Standardantwort in gefühlten 99% aller Firmen: Die Geschäftsführung oder der Vorstand. Das ist auch rechtlich in den Gesellschaftsverträgen so vorgesehen. Aber wie soll diese kleine elitäre Gruppe von Menschen wissen, was gut für alle Beteiligten im Innen- und Außenverhältnis ist? Das Mindeste wäre somit, diese Menschen bei Entscheidungen zu konsultieren und dann abzuwägen, auf welche Weise den meisten der Betroffenen gedient ist. Aber warum holt man dann nicht gleich all diejenigen ins Boot, die mitentscheiden wollen? Das leitende Prinzip könnte dann, so wie ich es bei Beratungsprozessen immer vorschlage, lauten: “Jeder der will, darf mitentscheiden, keiner muss UND alle tragen die Konsequenzen.” Damit könnten wir “gute Unternehmensführung” probeweise folgendermaßen definieren:

Hypothese zu guter Unternehmensführung

Gute Unternehmensführung bedeutet, dass alle, die mitenscheiden wollen, dies auch dürfen und dazu befähigt werden, um das Unternehmen im Sinne aller Stakeholder zu führen.

Herzlich, Andreas

Bildnachweis: Brocken InagloryCC BY-SA 3.0

Comments (1)

In der Tat, damit adressieren Sie das wirklich Wichtige im Management von Unternehmen! Ein guter Schritt in die Richtung…
Sehr gern vertiefe ich das Thema mit Ihnen … die Methoden, Vorgehensweisen etc. fuer die Praxis der Umsetzung.
VG Hubertus Wolf.

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