Unser Menschenbild im Wandel der Zeit

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Mein Kollege Mark Lambertz hat es in seinem Beitrag letzte Woche schon angedeutet: Wo kommt das Menschenbild, von dem wir im Kontext „New Work“ und explizit bei den Unternehmensdemokraten sprechen, eigentlich her? Wann ist es entstanden? Grundsätzlich ist der Begriff Menschenbild einer dieser typischen abstrakten Begriffe: eine hohe Verdichtung komplexen Inhalts. Dennoch kann man ihn wenigstens ungefähr verorten und zwar in der anthropologischen Philosophie, die im 19. Jahrhundert entstand. Wie kann das sein? Ein Menschenbild muss es doch geben, seitdem Menschen existieren, oder?

Menschliche Entwicklung bei Laloux

Jein. Einerseits ja, wenn es in Bezug zur jeweiligen Zeit und Weltanschauung gestellt wird, dazu später mehr. Andererseits nein, weil es das, was wir als westlich geprägte Menschen heute unter Menschenbild verstehen – nämlich das individuelle Bild eines Menschen, der aus sich selbst handelnd und frei agiert – sich historisch gesehen erst im (europäischen) Hochmittelalter vorsichtig andeutet und es sich daher nicht auf frühmenschliche Zeiten übertragen läßt. Genau aus diesem Grund sind Stufenmodelle der Entwicklung nach C. Craves, worauf sich Frederic Laloux in Reinventing Organisations bezieht, zwar attraktiv, weil vordergründig schlüssig und einfach, jedoch in Bezug auf ein komplexes Menschenbild unbrauchbar.

Der Bezug macht die Musik

Das Graves-Modell, welches Laloux zitiert, verwendet sowohl eine Zeitschiene mit enormen Dimensionen als auch eine einfache Kategorisierung von Menschengruppen, was ich persönlich für deutlich zu trivial halte, aber das nur nebenbei und gerne zur Diskussion frei. Wichtiger ist, dass solche Stufenmodelle den Menschen/die Gruppe isoliert und von sich selbst heraus handelnd betrachtet. Das ist im rein psychologischen Kontext evtl. sinnvoll, darüber hinaus braucht es eine interdisziplinäre Betrachtungsweise. Insbesondere der Zeithorizont und die implizierte Hierarchie der Stufen sind es, die das Modell ungeeignet für eine Übertragung machen. Es fehlen der Bezug und die Einbettung in die soziale und kulturhistorische Umgebung.

„Ich weiss, dass ich nichts weiss.“

Um einen Ansatzpunkt für eine belegbare Vorstellung eines Menschenbildes zu finden, sollten wir zunächst das betrachten, was fehlt, verschwunden und nicht mehr auffindbar ist. Nehmen wir Sokrates beim Wort und akzeptieren, dass wir über archäologische und kunsthistorische Funde ein wenig über die Lebensweise der Frühzeit-Menschen herausfinden konnten, aber darüber hinaus nur spekulieren können, wie ihre Interaktionen, ihr Selbst- und Weltbild aussahen. Für eine wirklichkeitsnahe Erkenntnis fehlt uns nach wie vor der DeLorean samt Fluxkompensator und das Bewusstsein für begriffliche Veränderungen. Gehen wir noch einen Schritt weiter und akzeptieren, dass auch Sokrates sich nur mündlich, aber nicht schriftlich geäußert hat, wir also nicht auf Originalquellen zurückgreifen können, sondern auf Vermittlung von Dritten (hier u.a. Platon und Aristoteles) angewiesen sind. Gleiches gilt für die oft zitierten Vorsokratiker.

Griechiches Bankett

Die kulturelle Wiege Europas

Die klassische griechische Antike, die wir als Europäer gerne unsere kulturelle Wiege nennen, hat uns wenig real vorhandene Belege hinterlassen. Wir können uns noch nicht einmal auf eine Autorenschaft verlassen, denn die individuelle Autorenschaft gab es schlichtweg in der Antike noch nicht – ein erstes Indiz für ein nicht-individuelles Menschenbild. Die Quellenlage aus dieser Zeit ist eher suboptimal, weil vielfach nur Fragmente vorhanden sind. Selbst Odyssee und Ilias lassen sich nicht eindeutig auf Homer zurückführen, u.a. weil beide Dichtungen aus einer oralen, nicht schriftlichen Tradition stammen. Sie waren nicht dazu bestimmt, in ein phonetisches Zeichensystem und auf eine zweidimensionale Fläche beschränkt zu werden.

Kulturelle Entwicklungen

Die Entwicklung von Gesellschaften messen wir u.a. daran, wie hoch die Schriftlichkeit ist. Sehr vereinfacht gesagt, muss dazu zunächst eine Verschriftung (Erfassung von Sprache und Umsetzung in ein Zeichensystem) und daran anschließend eine Verschriftlichung (Übergang der Schrift in die Lebenspraxis) stattfinden. Die griechische Antike befand sich in einer Übergangszeit von mündlicher Tradition zu einer komplexen Schriftlichkeit, die sich erstmals in einer Alphabetschrift ausdrückte.
Platon beklagte, dass die Verwendung von Schrift zu einem enormen Gedächtnisverlust führen würde. Damit hatte er nicht ganz unrecht, denn orale Gesellschaften arbeiten mit komplexen Erinnerungstechniken (Mnemotechniken), die unser Gehirn auf eine andere Art fordern als beim reinen Lesen und memorieren von Schrift. Die Verwendung von Schrift führt dazu, dass ein dreidimensionaler Raum (Klang der Stimme, Bewegen der Zunge, Hören des Gesagten) auf eine zweidimensionale Fläche (das Blatt Papier, das Buch) übertragen wird. Gleichzeitig sorgt eine visuell wahrnehmbare Schrift dafür, dass getrennt und abstrahiert werden kann. Allerdings braucht diese Art von Schrift auch ein visuelles Schriftbild, das in Europa erst im Mittelalter entsteht.

Alles säkular, oder?

Editionen der antiken Gedankenwelt wurden im westlichen, lateinischen Europa im frühen Mittelalter angefertigt – unter der Kontrolle religiöser Herrschaft. Als moderne Menschen denken wir, dass wir die Religion spätestens seit der Aufklärung hinter uns gelassen haben und verbannen konservativ-christliche Denkweisen als zu dogmatisch in den Bereich der Hinterwäldler und Rückwärtsgewandten. Soweit so einfach. Was uns oft nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass religiöse Denkweisen den Unterbau für unsere kulturelle Entwicklung bilden, die bis heute tief in die Gesellschaft hineinreichen.

Menschenbild mit Bibel

Seit wann gibt es ein Menschenbild?

Wie schon erwähnt, ist der Begriff vieldeutig und das Thema kann hier nur angerissen werden. Was wir aber wissen – mehrheitlich durch den Quellenbestand aus Klöstern, Kirchen und Bistümern – ist, dass es in der klassischen griechischen Antike eine Vorstellung vom Menschen in Bezug auf Erde, Himmel und Kosmos gab. Und die fällt nicht besonders vorteilhaft für uns aus. Bis hinein ins 16. Jh. sah man mehrheitlich (Ausnahmen bestätigen die Regel) unsere Erde im Mittelpunkt des Universums, eine geozentrische Weltsicht, die den Mensch als sterbliches, fehlerhaftes und unvollkommenes Wesen definierte.
Der oft zitierte Spruch „gnṓthi seautón“ („Erkenne Dich selbst“), ursprünglich eine Inschrift am Appolontempel in Delphi, verweist nicht auf ein individuelles Selbst (das Wort Selbstbewusstsein kommt erst mit dem Humanismus im 19. Jh. auf), sondern auf die Fehlerhaftigkeit des Menschen: Erkenne Dich als fehlerhafter Mensch in Bezug zum Universum und zur Götterwelt. Der Begriff „Individuum“ (im Sinne von unteilbar) erscheint erst im Lateinischen, die griechische Sprache verwendet das Wort „átomon“. Beide Begriffe werden nicht auf den einzelnen Menschen selbst bezogen, sondern auf sein Verhältnis zur Individualität einer Sache. Für die Sophisten ist zwar der „Mensch das Maß aller Dinge (Homo-mensura-Satz), allerdings gilt ihre Sichtweise eher als Kritik an der Metaphysik, weniger als Methode zur Veränderung des Menschenbildes.
In der Antike ist Vollkommenheit das Maß aller Dinge, welcher man mit Erkenntnis und Weisheit nahe zu kommen strebt. Die septem artes liberales (die sieben freien Künste) vermitteln diese Weisheit – an eine ausschließlich männliche Elite. Denn weder körperlich Arbeitende, Frauen, Sklaven oder Fremde gehören zu diesem Kreis. Diese verrichten die „Nothdurft“ der Arbeit. Nur wer frei von (Hand-)arbeit war, gelangte auf den Weg der Weisheit. Von einem einheitlichen Menschenbild können wir daher nicht sprechen.

Das Menschenbild im alteuropäischen Westen

Springen wir kühn ein paar Jahrhunderte weiter und streifen rudimentär die Geschichte (mehr ist hier leider aufgrund der Komplexität nicht möglich). Im 4. Jh. n. Chr. erhebt ein römischer Spaßvogel, Kaiser Konstantin I., das Christentum zur Staatsreligion und verbietet alle heidnischen Religionen und Kulte. Was passiert, wenn das Dogma einer Religion gesetzt wird, kann man zu allen Zeiten beobachten: Menschen werden verfolgt, gefoltert und getötet; Kultstätten, Bauwerke, Denkmäler und Artefakte sowie vorhandenes Schriftwerk zerstört – unwiederbringlich. Gleiches verursachte der nette obengenannte Kaiser. In Westeuropa zieht sich dieses Dogma bis weit in die Neuzeit hinein. Kaiser legitimieren ihre Herrschaft mit einem monotheistischen Gott. Ein religiöser Klerus beherrscht ein Alteuropa, in dem rund 80-90% der Bevölkerung unfrei geboren werden. Das elitäre Menschenbild aus der Antike wird adaptiert und geschickt umgedeutet – nicht Vollkommenheit ist jetzt das Ziel, sondern Heilung der Ursünde durch beten und arbeiten. Dies gilt für alle, wenngleich in strengen Hierarchien.

Unfrei geboren statt selbstbestimmt aufwachsen

Unfrei geboren bedeutet im Früh- bis Hochmittelalter (ca. 850-1050/1050-1250) für den Großteil der Bevölkerung – ich bin Eigentum eines kirchlichen Grundherrn und das ist gut so. Für uns heute nahezu unverständlich, nahmen die Menschen ihre Position nicht einfach hin, sondern nahmen sie an und sahen sie als Bestimmung. Man erkannte sich – dank kirchlicher Glaubensvermittlung – als zugehörig zur Gattung Mensch und handelte eher in einem kollektiven Sinn: Arbeitende trugen zur Gottgefälligkeit bei. Es ist die Zeit der „Ordnung durch Ungleichheit“ (O.G. Oexle) – die gesellschaftliche Ordnung und Stabilität wird durch Ungleichheit hergestellt: hier der Klerus, da die Laien. Die Lebensaufgabe der Bauern bestand – neben der regelmäßigen religiösen Praxis – darin, Land zu bewirtschaften und dessen Erträge der Kirche abzutreten, damit diese für die Heilung der Ursünde sorgen konnte. Ob es im sogenannten Volk Gedanken an ein Selbstbild nach unserem Verständnis gab, ist nicht bekannt – diese Zeit liegt im oralen Dunkel der Illiteralität.

Die Wende im langen 12. Jahrhundert

Laut F. Weyrauch ist das 12. Jh. von einem „Erdrutsch der Weltanschauung“ geprägt. Historiker können für diese Zeit eine hohe kulturelle Entwicklung nachweisen. Erstmals ist auch die Quellenlage aufgrund erhöhter Schriftlichkeit akzeptabel. Karl der Große war, obwohl selbst des Schreibens unkundig, ein Wegbereiter für eine erhöhte und verbreitete Schriftlichkeit über kirchliche Themen hinaus. Er hielt die Kleriker dazu an ein präziseres Sprach- und Schriftlatein zu pflegen. Er verschriftete fränkisches Recht und förderte begabte Adelige beim Schrifterwerb. Obwohl nach seiner Herrschaft die Schriftlichkeit wieder abnahm, schuf sie dennoch die Basis für spätere Veränderungen.
Im 11./12. Jh. verdoppelt sich die Bevölkerung Europas: von 24 Mio. auf 52 Mio. Menschen. Städte, Märkte und Fernhandel entwickeln sich und wachsen an, technologischer Fortschritt fordert spezialisierte Fähigkeiten. Die Mehrheit der Menschen findet sich, trotz Städtewachstum, weiterhin im ländlichen Raum. Für unser Menschenbild ergeben sich jedoch fundamentale Veränderungen, die zunächst die religiöse Elite treffen und schleichend daherkommen: Es geht um das Lesen und Lernen.
Bis ins frühe Mittelalter galt das Opus Dei für Kirchenvertreter als Hauptzweck ihres Lebens – die Begegnung mit Gott im alltäglichen Leben. Mönche lasen und beteten. Ihre Lektüre: die Bibel und deren Auslegungen. Die Handschrift der Bibel bestand aus endlosen Buchstabenkolonnen – Seite für Seite. Visuelles und wortweises Lesen, wie wir es kennen, war unmöglich. Worte waren kaum sichtbar getrennt. Abschnitte, Absätze, Satzzeichen, Seitenzahlen, Überschriften oder Inhaltsverzeichnisse fehlten völlig.
Im Kloster las man entweder laut oder murmelte halblaut vor sich hin. Der Klang der Stimme und die Bewegung der Zunge beim Sprechen waren körperlich erwünschte Erfahrungen, die innere Bilder entstehen und zum Denken anregen sollten. Das Auge galt seit der Ursünde als verdächtiges Sinnesorgan, dem gehörten Wort konnte man vertrauen. Analog dienten Bilder als „Literatur der Laien“ der Glaubensfestigung für das „gemeine Volk“. Durch geopolitische Veränderungen schrumpfen Besitztümer der Kirchen, unwirtschaftliche Klöster werden aufgegeben. In den Städten darf sich jeder, der lesen und schreiben kann, Kleriker nennen. Das ist attraktiv, denn dieser Status schützt auch vor Strafen.

Mittelalterliche Ansicht Mainz

Lesen und Lernen emanzipieren sich

Bibelauslegungen existierten seit dem frühen Christentum. Diese Auslegungen schrieb man in Form von Kommentaren (Glossen) zuerst neben den Text, später auch zwischen die Zeilen. Ungefähr ab dem 12. Jh. ändern sich diese Kommentare – sie werden deutlicher vom Text abgesetzt, Worttrennungen werden sichtbarer, man fügt Abschnitte, später Überschriften und Verweise auf nächste Seiten hinzu. Erste vorgeschaltete Listen im Sinne von frühen Inhaltsverzeichnissen entstehen. Das Textaufkommen erhöht sich und Glossen verweisen auf weitere Texte – eine Art Textnetzwerk entsteht. Diese Entwicklung der Schriftkultur verändert sowohl das Lesen (lectio) als auch das Schreiben (scriptura)  – beides immer noch einer religiösen Elite vorbehalten. Der große Teil der Bevölkerung ist nach wie vor illiterat, wenngleich Kaufleute Schrift in Form von „Buchführung“ benutzten.
War das mönchische (monastische) Lesen zuvor eine körperlich anstrengende Tätigkeit, die der religiösen Erbauung diente, deutet sich jetzt eine „Entkörperung“ an, die sich dauerhaft fortsetzen und in die Scholastik übergehen wird. Lesen wird stumm und ist jetzt keine „Haltung“ mehr, die zur Heilung führt, wie im Didascalion, einer Anleitung zum Lernen aus dem frühen 12. Jh., beschrieben, sondern dient dem reinen Wissenserwerb. Mit dem Wachsen der Städte wird Ordnung notwendig, die nicht mehr nur mündlich geregelt werden kann. Die Schrift erreicht die Stadt und findet Eingang in die Verschriftung von Stadtrechten. Unfreie Bauern, die aus ihrer ländlichen Umgebung fliehen und es schaffen, ein Jahr und einen Tag in der Stadt zu leben, gelten als freie Bürger.

Die Last der Eigenverantwortung

Mit dem Wachsen der Städte deutet sich auch langsam eine Auflösung der alten stabilen Ordnung „jeder in seinem Stand“ an. Der einzelne Mensch ist nicht mehr in die Sicherheit der ländlichen Haushaltung eingebettet, sondern steht in der Verantwortung, seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Das sorgt mitunter für Unruhe, irrationale Ängste und Armut. Doch nach wie vor ist es nicht „das Ich“ oder „das Selbst“, das den Menschen handeln läßt, sondern Gottes Hilfe. In der städtischen Elite ist es verpönt, eigene Fähigkeiten zur Schau zu stellen und wird als Hochmut gebrandmarkt.

Voilà jetzt zeigt es sich: unser neues Menschenbild

Nun setzt auch die Emanzipation der Wissenschaft von der religiösen Heilslehre ein, was in den kommenden Jahrhunderten in ein stärkeres abstraktes und individualisiertes Denken mündet – die Schriftverwendung und –gestaltung ist einer der Schlüsselfaktoren im Gefüge einer zunehmenden Spezialisierung. Statt unteilbaren und gottgegebenen Umständen, erkennt man das prozesshafte Entstehen und Werden von Etwas. Die Folge ist ein vermehrtes Schriftgut aus Hinterfragen, Differenzieren, Trennen und damit auch eine verstärkte Individualisierung.
Im Zuge dieser beginnenden Verschriftlichung wird eine gesamte Gesellschaft differenziert geordnet und dokumentiert. Die Zunahme von Schrift in eigener Sprache, statt im elitären Latein, ermöglicht einen breiteren Zugang zu Wissen und Bildung. Hier deutet sich an, was erst rund 500 Jahre später gesellschaftlicher Konsens wird: ein Menschenbild, das mit individuellen Fähigkeiten selbstbestimmt und frei handelt.

Herzliche Grüße
Daniela

Bildquellennachweis:
Headerbild: CC0, gemeinfrei by pixabay/Kai Stachowiak
Griechiches Bankett: wikimedia commons, CC0 gemeinfrei
Holy Bible: unsplash.com/@samanthasophia; CC0
Mittelalterliche Stadtansicht: wikimedia commons, CC0 gemeinfrei

Comments (3)

Hallo Daniela,
vielen Dank für diesen historischen Parforceritt insbesondere durch die antike und mittelalterliche Geschichte. Über die Bezüge zwischen der Schriftlichkeit und der Entstehung unterschiedlicher Menschenbilder hatte ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Deine Ausführungen sind hier aber sehr schlüssig.
Spannend fände ich es, wenn du in einem Folgepost noch genauer darauf eingingest, welche Entwicklungen in den letzten 500 Jahren zu neuen Menschenbildern geführt haben. Lassen sich der Homo Oeconomicus und seine Nachfolger auch direkt mit dem Grad der Verschriftlichung in Verbindung bringen, oder gibt es da noch andere maßgebliche Faktoren?
Viele Grüße,
Arne

Hi Daniela,
schließe mich dem Vorschlag von Arne an. Fände ich auch höchst spannend – die Verbindung zum Konstrukt des Homo Oeconomicus…
HGA

Hallo Arne, Hallo Andreas,
ganz lieben Dank für Eure Anregungen. 🙂 In der Tat ergeben sich da für die letzten 500 Jahre weitere Änderungen, man denke nur an die verschiedenen Ausprägungen von Arbeit, die Entwicklung der Zünfte, Kameralismus und Merkantilismus, etc. Das Modell des Homo Oeconomicus kam jedoch erst im 18 Jh. auf, daher kann ich nur vermuten, dass ein Bezug zur Schriftlichkeit schwierig wird, weil zu dieser Zeit die Verschriftlichung schon sehr weit fortgeschritten war.
Allerdings könnte man recherchieren, in welchem Ausmaß und in welcher Tiefe sich die Kommunikation der Kaufleute und Krämer gezeigt und verändert hat – und ab wann und wie mit den Mitarbeitern kommuniziert wurde – daran läßt sich ja auch der Umgang miteinander erkennen. Das Thema interessiert mich sowie grundsätzlich sehr, daher werde ich bald mal dazu recherchieren und einen weiteren Beitrag schreiben.
Viele Grüße
Daniela

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