Achtsam Denken, Radikal Handeln

Radikal Achtsam. Erfolgreich Sein.

Das Leben ist ein Paradoxon und der Mensch ist in der Lage, mit diesen Widersprüchen und Gegenteiligen umzugehen und diese auszubalancieren. Der Mensch strebt auf der einen Seite nach Individualität und auf der anderen Seite nach Zugehörigkeit. Je nach Situation entscheiden wir uns für das eine oder das andere. Auch in der Überschrift finden den Widerspruch aus achtsam und radikal. Auf den ersten Blick mag es vielleicht nicht zusammenpassen, auf den zweiten Blick sehr wohl, da es ein Paradoxon ist. Da ich ein großer Freund von Paradoxa, Achtsamkeit und Radikalität bin, habe ich in meinem letzten Beitrag über radikales Denken und achtsames Handeln geschrieben. Und auch dieser Artikel ist um die genannten Worte aufgebaut. Radikal in seinem Wortursprung bedeutet lat. Radix = an die Wurzel gehen.  Denken wir radikal, so bin ich der Überzeugung, sollten wir danach achtsam Handeln, um unsere Grenzen und die Grenzen anderer Menschen zu wahren. Wir sollten also den Widerspruch radikal und achtsam leben. Für mich gibt es aber auch das Gegenteil, nämlich radikal zu handeln. Dieses ist an vielen Stellen von Vorteil, um aus der Lethargie herauszukommen. Dafür ist aber meiner Erfahrung nach, absolute Klarheit wichtig. Um aber an den Punkt des radikalen Handelns zu kommen, bedarf es meiner Auffassung nach achtsames Denken. Was ich damit meine, das möchte nun im Folgenden aufzeigen.

Liebe im Wirtschaftskontext: Eine Provokation?

Wie die Axt im Walde.“ Ist ein Sprichwort, wenn sich jemand grob und unhöflich benimmt. Wenn Menschen radikal in ihren Handlungen sind, dann kann es grob, grenzüberschreitend und unhöflich daherkommen. Auf der anderen Seite können radikale Handlungen „heilsam“ sein, weil die Probleme bei der Wurzel gepackt werden (lat. Radix = Wurzel). Ob es nun um gesellschaftlichen Wandel, Wandel in Organisationen, im Freundeskreis oder in der Familie geht, manches Mal braucht es eben Radikalität im Handeln. Wenn man nun radikal handeln möchte und Probleme bei ihrer Ursache packen will, dann bedarf es einem achtsamen Denken, um Hindernisse, Probleme und Symptome im Vorfeld zu betrachten und sich auf die Veränderung vorzubereiten. Dabei bin ich der Überzeugung, dass wir aus dem Herzen heraus agieren sollten und aus Liebe zu uns selbst. Ich spreche im Wirtschaftskontext gerne von Liebe. – Denn es ist so wunderbar provokativ 😉. – Klaus Eidenschink hat mich in einer E-Mail-Konversation darauf hingewiesen, dass Liebe ohne Aggression nicht zielführend ist. Und da hat er Recht. Auch hier ist wieder ein Widerspruch zu erkennen, denn auf den ersten Blick haben Liebe und Aggression nichts gemeinsam. Aber auf den zweiten Blick finden wir hier wieder ein Paradoxon. Hier noch ein Zitat aus der E-Mail-Konversation: “Die Idee, eine „heile Welt“ zu bauen, halte ich in den meisten Ausformungen eher für eine Grandiositätsidee. Es beinhaltet auch das Implikat, dass es Menschen gut tut, wenn sie sich ausschließlich wohl fühlen würden. Das wäre zu differenzieren. Aus meiner Sicht geht es eher um Integration von Liebe und(!) Aggression. Konzepte – darf ich das so schreiben, Björn? – die nur auf Liebe setzen, finden sich in der Geschichte zu Hauf. Mit nicht immer rühmlichen Ausgang. In der Welt gibt es beides und sie braucht auch beides. Aus Liebe heraus Aggression negativ zu werten, wird nicht funktionieren, weil Aggression handlungsseitig zu auswirkungsreich ist. Aggression ohne Liebe führt meist zeitverzögert zu Selbstschädigung.

Aggression als etwas positives

Klaus hat da eine meiner impliziten Annahmen aufgedeckt. Für mich ist Aggression eine positive Eigenschaft, wenn sie aus dem Herzen heraus entsteht Dieses ist zum Beispiel wichtig, um sich selbst, seine Familie, ein Team, eine Abteilung oder eine Organisation zu schützen. Wenn wir also radikal handeln wollen, um etwas zu verändern, dann sollte dieses aus dem Herzen heraus und aus Selbstliebe geschehen. “Aggression ohne Liebe führt meist zeitverzögert zu Selbstschädigung“, schreibt Klaus. Und so kann radikales Handeln ohne Achtsamkeit und Selbstliebe zur Selbstschädigung führen. Um an den Punkt des radikalen Handelns zu kommen, muss meiner Auffassung nach vorher achtsames denken und fühlen da sein. Dieses ist wichtig, um nicht im Affekt und aus einer Emotion heraus zu reagieren, sondern aus einem Gefühl heraus zu agieren. Das Wort E-Motion ist zusammengesetzt aus Energie und Motion, was soviel heißt wie bewegte Energie. Das Wort re-agieren wiederum setzt sich zusammen aus re (lateinisch für wieder) und agieren. Aus einer Emotion heraus zu agieren bedeutet, aus einem alten Verhaltensmuster, aus einer Emotion (einer blockierten Energie?) heraus zu agieren. Ein Gefühl auf der anderen Seite ist für mich neutral und ist für mich ein Unterschied zur Emotion. Durch die Achtsamkeit im Denken und Fühlen, handeln wir also aus dem Gefühl heraus und sind dabei neutral. Dieses ist für mich ein wichtiger Aspekt, um radikal zu handeln.

Das Paradoxon des Nicht-Wohlfühlens

In einem meiner Artikel auf LinkedIn habe ich davon gesprochen, dass Menschen sich wohlfühlen sollen, wenn sie mit Systemen, Strukturen und Prozessen arbeiten. Klaus hat mich darauf hingewiesen, dass es ungünstig ist, wenn sich Menschen ausschließlich wohl fühlen, wobei er dieses auf die Liebe bezogen hat. Dem kann ich nur beipflichten. Denn ab und an ist das, was wir machen auch mit Aufwand und Mühsal verbunden. Wir müssen uns recken und strecken, die ein oder andere Extrameile zurücklegen und auch Stolpersteine und Hindernisse aus dem Weg räumen. Wenn es aber um meine wertschöpfende Tätigkeit geht, dann möchte ich, dass die Systeme, Prozesse und Strukturen derart gestaltet sind, dass ich damit einfach arbeiten kann. Ansonsten halten sie mich von meiner eigentlichen Arbeit ab. In meiner Arbeit geht es um Forschung im Rahmen von Automatisierungstechnik und Produktion. Da habe ich genug Hindernisse und Stolpersteine. Rückschläge gehören zum Tagesgeschäft, weil sich immer mal wieder herausstellt, dass (m)eine Idee dann doch nicht so gut war oder bereits vor vielen Jahren von anderen erforscht wurde. Also muss ich mich hinsetzten, recherchieren, analysieren und ganz viel wertfrei andere Dinge betrachten, um irgendwann zu der zündenden Idee zu kommen und die Lücke in der Forschung der anderen zu finden. Wenn ich jetzt noch aufgehalten werde, durch Systeme, Strukturen und Prozesse, die ganz einfach miserabel designt sind, dann halten sie mich von meiner Arbeit ab. Und da bin ich dann schon mal innerlich aufgewühlt, weil ich mich nicht mehr wohlfühle, da ich meinen Job nicht 100% zu meiner eigenen Zufriedenheit ausführen kann. Diese Art des Nicht-Wohlfühlens ist eine Art, die ich sehr schlecht akzeptieren kann. Geht es darum, dass ich feststellen muss, dass meine Idee doch nicht so „grandios“ war, dann kann ich mit dem Nicht-Wohlfühlen umgehen. Es ist aber eine andere Art, welche ich sehr gut akzeptieren kann. Denn erst durch diese Momente muss ich noch mal alles durchdenken, aufbereiten, analysieren und bewerten, was nun mal zu meinem Job als Forscher gehört. Dieses wiederum macht mir große Freude. Auch hier finden wir den Widerspruch wieder, dass es Menschen gut tut, sich auch mal nicht wohlzufühlen.

Aus Passivität Aktivität erzeugen

Es kommt also darauf an, aus welcher Art des Nicht-Wohlfühlens heraus wir agieren. Auch hier unterscheide ich zwischen Gefühl und Emotion. Reagiere ich aus einer Emotion, weil ich innerlich aufgewühlt bin und mich nicht wohlfühle und versuche etwas radikal zu verändern, dann werde ich sicherlich scheitern, da die Menschen um mich herum dieses wahrnehmen. Handele ich jedoch aus einem Gefühl heraus, weil ich mir bewusst bin, warum ich aufgewühlt bin, dann kann ich dieses anderen Menschen erzählen und darauf hinweisen, was meine Bedürfnisse sind. Bedürfnisse erkennen und formulieren können hängt für mich zwangsläufig mit Achtsamkeit zusammen. Ich muss achtsam sein und meine innere Welt beobachten, um zu erkennen was meine Gefühle und Bedürfnisse sind. Und dazu gehört es, Ruhephasen einzubauen, wie zum Beispiel beim Bäume fällen, um immer mal wieder seine Axt zu schärfen. Wie ich es auch schon in meinem vorherigen Artikel Radikal Denken Achtsam Handeln beschrieben habe, ist das Wechselspiel zwischen bremsen und beschleunigen effizienter und effektiver, als immer mit konstanter Geschwindigkeit zu wirken. Ein höher weiter schneller ist also nicht damit zu erreichen, dass man die Geschwindigkeit erhöht. Früher dachte ich mal, dieses höher, weiter, schneller wäre etwas Schlechtes,. Mittlerweile komme ich zum Schluss, dass höher, weiter, schneller auch sehr viel Spaß machen kann, da ich immer wieder Ruhephasen einbauen muss, wenn ich schneller sein will :-). Anders formuliert entsteht aus Passivität Aktivität. Dieses ist effektiver, als aus Aktivität Aktivität erzeugen zu wollen.

Ein paar Schlussworte

Auch beim achtsamen Denken und radikalen Handeln, geht es wieder darum, seine eigenen Grenzen und die Grenzen anderer Menschen zu wahren. Auf der anderen Seite sollten wir unsere Grenzen verschieben, um wachsen zu können. Eine Grenze zu verschieben kann bedeuten, einfach weiter zu arbeiten, weil man gerade so richtig im Flow ist. Insbesondere bei Scrum-Teams, die gerade im Flow sind, kann es hilfreich sein, den Sprint eben nicht zu beenden, sondern die Entwickler weiter entwickeln zu lassen. Es wäre eigentlich grenzüberschreitend, wenn man den Sprint beendet, nur weil das Review ansteht. Häufig muss man die Regeln brechen, um erfolgreich zu sein. Und wenn es schon eine Regel ist, die man sich selbst gesetzt hat, zum Beispiel die Scrum-Events, warum soll man diese Regeln nicht brechen, wenn man dadurch erfolgreicher ist? Hält man sich also an die Regeln, dann kann das bedeuten, dass man weniger erfolgreich ist. Dieses ist ein Widerspruch, den man nicht aushandeln und ausbalancieren muss, so wie bei einem Paradoxon. Hier geht es eher darum, sich darüber bewusst zu sein, das Erfolg auch dadurch entsteht, Regeln zu brechen. Dieses kann auch bedeuten, einen Sprint früher zu beenden, weil man bereits fertig ist. Jedoch gibt es das Phänomen, dass Menschen Angst vor Erfolg haben. Was nun Erfolg bedeutet, dass möchte ich nicht weiter diskutieren, da es individuell für jeden Menschen, aber auch für jedes soziale Gefüge ist. Es geht also auch immer darum herauszufinden, ob Widersprüche balanciert werden müssen, wie zum Beispiel Aktivität und Passivität, Radikalität und Achtsamkeit oder ob die Widersprüche aufgelöst werden können. Wenn wir dieses erkennen, dann können wir bewusst radikal und achtsam radikal erfolgreichsein.

Herzliche Grüße

Björn Czybik

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