Gutes Tun im neuen Jahr. 9 Möglichkeiten wirksam zu werden.

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Gutes Tun: Für den ersten Beitrag im neuen Jahr habe ich mir ein paar Fragen gestellt: Was könnte interessant, anregend, ermutigend sein? Was vielleicht ein wenig Wirkung entfalten? So bin ich auf die Idee gekommen, in einem Beitrag zu ein paar der aktuell brennendsten Herausforderungen Initiativen, Stiftungen und Vereine vorzustellen, die Unterstützung gebrauchen können, um ihrerseits für uns alle wichtige Wirkungen zu erzielen.

Das neue Jahr ist noch jung, nur leider alles andere als unschuldig. Nicht nur in 2023 sondern in den nächsten Jahren, wenn nicht Dekaden, wird uns die Multikrise weiter begleiten. Es ist für manche anstrengend, frustrierend, ermüdend. Andere werden wütend oder stecken den Kopf in den Sand. All das ist verständlich. Ich selbst muss mich auch immer wieder mal zusammenreißen. Aber eines sollte klar sein: Wir brauchen einander, nicht nur in der Familie, im Freundeskreis, bei der Arbeit, sondern auch darüber hinaus. Ohne fortlaufende gegenseitige Unterstützung sehe ich wenig Chancen, die hier exemplarisch aufgeführten Probleme und Herausforderungen zu meistern.

Mit den sechs Themenfeldern erhebe ich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Es steckt eine gewissen Willkür dahinter, dass ich hier ausgerechnet diese Probleme fokussiere und andere nicht. Zudem kenne ich nur einige der erwähnten Einrichtungen und deren Mitarbeitende persönlich. Ich habe versucht, mir einen halbwegs tauglichen Eindruck zu verschaffen – aber natürlich könnte es im Einzelfall sein, dass ich irgendetwas Unlauteres übersehen habe. Für diese Einschränkungen bitte ich um Verständnis und Nachsicht. Alle die wollen, können dafür gerne ihre favorisierten thematischen Brennpunkte als Kommentare hinterlassen mit entsprechenden Hinweisen und Links zu Initiativen, Stiftungen und Vereinen. Die Reihenfolge ist alphabetisch sortiert und stellt kein Ranking meinerseits dar. Vor allem deshalb, weil die Themen auf komplexe Weise miteinander vernetzt sind. Noch ein letzter Punkt, bevor es zur Vorstellung der verschiedenen Möglichkeiten geht: Ich dachte dabei an Unterstützung sowohl von Unternehmen im Rahmen ihrer CSR Tätigkeit als auch von privater Seite aus. Alle die dies lesen, können es dem Arbeitgeber vorschlagen und/oder einfach selbst in die Hand nehmen, um Gutes zu tun.

1) Artensterben & Klimakrise

©Shifaz Abdul Hakkim

Es ist gut, dass das Artensterben durch die alphabetische Ordnung noch vor der Klimakrise steht. Denn letztere ist längst täglich in verschiedenen Medien zu finden und ist so ins Bewusstsein der meisten deutschen Bürger:innen gesickert. Laut Umweltbundesamt ist immerhin mehr als zwei Dritteln der Deutschen (70%) Klimaschutz ein wichtiges Anliegen[1]. Die große mediale Präsenz enfaltet längst ihre Wirkung, wie auch die vielen Berichte über die letzte Weltklimakonferenz COP28 dokumentiert, so wie alle COP der letzten Jahre. Dagegen ging die UNO-Artenschutzkonferenz 2022 in Montreal fast unter, obwohl dort immerhin 196 Staaten teilnahmen.

So ist es wenig verwunderlich, dass vielen Menschen die brutalen Konsequenzen des sechsten Massenausterbens nicht nur für die Natur selbst, sondern auch für uns, nicht wirklich bewusst sind. Da rund ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion von der Bestäubung durch Insekten abhängig ist, drohen entsprechende dauerhafte Ernteausfälle. Viele teils noch unentdeckte Arten bieten ein nicht zu unterschätzendes Potential als Heilmittel. Wenn diese Arten aber vernichtet werden, gehen damit auch diese pharmazeutischen Optionen verloren. Und natürlich verlieren insbesondere diejenigen Menschen, die direkt von zum Beispiel Fischen als Nahrungsmittel leben, diese Grundlage. Sterbende Korallenriffe bieten Fischen keine Lebensräume mehr, die dadurch wiederum dezimiert werden. Und diese abgestorbenen Riffe können uns nicht mehr vor Sturmwellen und Tsunamis schützen – um nur in aller Kürze ein paar Konsequenzen aufzuführen. Deshalb beginne ich hier mit der

Biodiversity Foundation

Website der Biodiversity Foundation. Ein Klick führt dorthin.

Diese Stiftung ist noch relativ jung und klein, sie wurde 2017 von Ingrid und Dirk Steffens als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Hamburg gegründet. Frau Steffens ist nach wie vor Managing Director bei der mittelständischen Beratungsfirma Observatory International Ltd. Dirk Steffens ist Naturfilmer, Journalist und Fernsehmoderator und wurde bereits für sein Engagement zur Klimakrise und Biodiversität mit Preisen geehrt.

Aktuell sind auf der Website vier Projekte aufgeführt: Ein Film zum Thema Artensterben, das Vogelparadies, eine Renaturierung von extra erworbenen rund 4ha Ackerfläche, die Initiative Vielfalt 2030 gemeinsam mit der Biobrause-Brauerei Bionade und die Petition “Artenschutz ins Grundgesetz”. Gerade letzteres erscheint mir persönlich ein kluger Schritt, denn was wir weltweit brauchen, sind mehr und stärkere Möglichkeiten, auf dem Rechtsweg die Vernichtung weiterer Arten und von Natur im Allgemeinen aufzuhalten[2].

Somit könnte die Biodiversity Foundation für alle, die etwas für die Artenvielfalt tun wollen, eine gute Option zum Spenden sein.

klimafairein

Website des klimafaireins. Klicken usw.

Der klimafairein dürfte vielen noch nicht bekannt sein. Dabei bietet er interessante und ganzheitlich gedachte Arbeitsbereiche, die allesamt im lokalen Raum und darüber hinaus (zunehmend) Wirkung entfalten können und sollten. Der Verein in der Nähe von Marburg und Gießen wurde – wenn ich richtig recherchiert habe – im September 2018 gegründet und ist damit wie die Biodiversity Foundation noch jung und am Anfang seiner Arbeit. Die Arbeitsbereiche des Vereins sind wie folgt:

Der Verein möchte unter der Überschrift “fairpflanzt” bis 2030 eine Million Bäume in der Region pflanzen und so einen Beitrag leisten. Zweitens fokussiert er mit dem Titel “fairstehen” auf die Umweltbildung von Schulen und Kitas bis zu Projekten und Aktionen rund ums Klima. Drittens wollen die Mitglieder “in der Region eine Kultur der Nachhaltigkeit und des verantwortungsbewussten Umgangs mit den Ressourcen fördern” – hier passt der Titel “fairbunden” prima. Viertens “wollen (sie) unter dem Dach des klimafaireins ein Unternehmensnetzwerk ansiedeln, das Kontakte nutzt, Wirtschaftlichkeit berücksichtigt und gemeinsam mit allen Mitgliedern des Vereins die Welt ein wenig nachhaltiger macht” – “fairnetzt” beschreibt diesen Bereich, der vielleicht gerade aus unternehmerischer Sicht interessant ist. Fünftens und letztens gibt es mittlerweile den “fairkaufswagen”, den “erste(n) mobile(n) Unverpacktladen in Hessen”.

Für alle, die in Hessen ansässig sind, könnte somit der klimafairein eine schöne Möglichkeit zur Unterstützung sein. Bis hin zur Mitgliedschaft.

Fridays for Future

So langsam sollte es klar sein 😉

Ja, ich weiß: Es ist wenig originell, FFF hier zu erwähnen. Nichtsdestotrotz scheint es mir strategisch durchaus sinnvoll, diese größte der deutschen Klimabewegungen in der einen oder anderen Form zu unterstützen. Denn so fulminant sie in der ersten Zeit bis Corona geradezu explodiert ist, so hart dürfte die Zeit in den bisherigen Pandemiejahren gewesen sein: Plötzlich war der Fokus der Öffentlichkeit durch die omnipräsente Covid-19 Berichterstattung verschoben und die diversen Bewegungseinschränkungen waren wohl genauso wenig förderlich. Mancher orakelte schon vom Ende der Bewegung. Aber zum Glück war das eine große Fehleinschätzung.

FFF hat mit Sicherheit einen nicht unerheblichen Teil zu weiteren Bewusstseinsbildung der Bevölkerung beigetragen, nicht nur bei uns in Deutschland. Und das sollte auch weiterhin möglich sein. Mittlerweile hat sich FFF ziemlich beeindruckend selbst organisiert, bis hin zum eigenem Mail Hosting, Cloud und Websites, sowohl für FFF deutschlandweit als auch für diverse lokale Gruppen mit jeweils eigenen Webauftritten. Darüber hinaus braucht es natürlich auch dauerhafte finanzielle Unterstützung für weitere großartige Aktionen wie die Studie “CO2-neutral bis 2035”, die durch das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie durchgeführt und von der GLS Bank finanziert wurde. Ich kann allen nur empfehlen, sich die Studie über das Link zu besorgen und zumindest mal reinzuschauen.

Also: Es macht auch Sinn, längst Bewährtes weiter zu unterstützen, in welcher Weise auch immer. Bitte hier entlang zur Website von Fridays for Future, Deutschland.

2) Demokratieentwicklung

©Fred Moon, unsplash lizenzfrei

Für uns unternehmensdemokraten sind die verschiedenen Umweltkrisen zutiefst mit unserer Demokratie verbunden. Es wird immer offensichtlicher, dass wir mit der repräsentativen parlamentarischen Demokratie an funktionale Grenzen stoßen. Das ist kein typisch deutsches Problem und Phänomen, sondern eines fast aller Demokratien weltweit – die übrigens zunehmend in Bedrängnis kommen. Global schwankte der Demokatieindex der Economist Intelligence Unit von 2006 – 2016 um einen Wert von 5,52, um seit dem auf 5,28 abzufallen. Alle untersuchten Regionen machten Rückschritte, nur Asien und Australasien konnte sich minimal verbessern. Damit leben nur noch 46% der Weltbevölkerung in einer Demokratie, während es 2020 noch 50% waren (EIU 2022).  Dies ist der stärkste Rückfall seit 2010 und zudem das schlechteste Ergebnis seit Beginn der jährlichen Erhebung 2006 (Zeuch 2023).

Diese Entwicklung bekommen auch wir zu spüren: Das Enstehen und Erstarken der AfD seit ihrer Gründung 2013, die vielen Demonstrationen rund um die Covid Regelungen, der Sturm auf den Reichstag 2020 sogar noch vor dem auf das Kapitol in den USA sowie auf das Kongressgebäude in Brasilia. Im Zusammenhang mit der Klimakrise hat der wegweisende Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 24.03.2021 klargestellt, “…dass die Regelungen des Klimaschutzgesetzes vom 12. Dezember 2019 … über die nationalen Klimaschutzziele und die bis zum Jahr 2030 zulässigen Jahresemissionsmengen insofern mit Grundrechten unvereinbar sind, als hinreichende Maßgaben für die weitere Emissionsreduktion ab dem Jahr 2031 fehlen.” Und weiter: “Die zum Teil noch sehr jungen Beschwerdeführenden sind durch die angegriffenen Bestimmungen aber in ihren Freiheitsrechten verletzt”. Kurzum: Wir müssen dringend unsere Demokratie weiter entwickeln. Dazu schlage ich folgende Protagonisten vor:

Berlin Institut für Partizipation

Hier kenne ich den Gründungsdirektor und aktuellen Vorstand Jörg Sommer persönlich und habe ihn schätzen gelernt. Sein profundes Wissen, sein scharfer Verstand und sein durch und durch integres Engagement für eine bessere Welt beeindruckt mich. Das Institut arbeitet seit 2017 in Haus der Demokratie in Berlin und “ist u.a. Mitglied im Netzwerk Bürgerbeteiligung, in welchem zahlreiche Beteiligungspraktiker engagiert sind, gehört zu einem einem internationalen Netzwerk zu Bürgerhaushalten von Instituten und Organisationen aus 28 Ländern, engagiert sich bei Open Government Netzwerk Deutschland  und ist Mitbegründer des bundesweiten Kompetenzzentrums Bürgerbeteiligung, dessen Geschäftsstelle sie koordiniert. Seit 2019 koordinieren das Institut die 2015 auf Initiative der Bertelsmann-Stiftung entstandene Allianz Vielfältige Demokratie [in der ich selber mitwirke, AZ], in der über 240 Vordenkende aus Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene tätig sind.” Besonders erwähnenswert erscheinen mir noch die regelmäßigen und vielfältigen Publikationen, die im Bereich bürgerlicher Beteiligung längst einen festen Platz haben.

Langer Rede, kurzer Sinn: Das BiPar ist sehr gut vernetzt und es würde hier den Rahmen sprengen, alle Aktivitäten kurz zu skizzieren. Dafür empfehle ich einen Blick auf die Website des BiPar. Für alle, die unsere Demokratie durch mehr und bessere Partizipation weiterentwickeln wollen, ist eine Unterstützung dieses Instituts eine sehr gute Wahl.

Es geht los


Dieser “zivilgesellschaftliche, überparteiliche Think & Do Tank”
 wurde unter anderem von Ilan Siebert ins Leben gerufen, den ich ebenfalls schon ein paar Jahre kenne und für sein Engagement schätze. “Es geht los” hat sich einen interessanten und klugen Fokus gewählt: Die Weiterentwicklung losbasierter Bürgerräte. Dieses Format wird erfreulicherweise mittlerweile auch in Deutschland regelmäßig bei verschiedensten demokratischen Fragestellungen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene eingesetzt. Herkömmliche Bürgerräte basieren auf einem Losverfahren, bei dem zufallsbasiert Bürger:innen angeschrieben werden, um zu einer aktuellen Themenstellung gemeinsam Vorschläge zu erarbeiten. Dazu werden jeweils verschiedene Expert:innen eingeladen, die aus diversen Perspektiven den aktuellen teils wissenschaftlich basierten Status Quo des Wissens vorstellen. Die Bürger:innen werden dann mit einer externen Moderation durch einen deliberativen Prozess geführt und kommen so zu einem gemeinsam erarbeiteten Ergebnis. Faszinierend ist dabei, dass die üblichen Vorurteile über individuelle und Gruppenpräferenzen widerlegt wurden. Bürgerräte belegen: Wenn Bürger:innen die Möglichkeit eines respektvollen und gut moderierten Austauschs gegeben wird, entstehen konstruktive Ergebnisse jenseits der üblichen Vorurteile.

Allerdings reproduziert “das Losverfahren … gesellschaftliche Ungleichheiten, die man aus der Wahlforschung kennt.” Um dieses Problem zu lösen, hat das Team das “aufsuchende Losverfahren” entwickelt: “Indem Eingeladene, die sich nicht zurückgemeldet haben, aufgesucht werden, holt die Demokratie die Ausgewählten buchstäblich an der Haustür ab. Nur im persönlichen Gespräch gelingt es unserer Erfahrung nach, die „stillen Gruppen“ zu aktivieren.” Und siehe da: Es deutet sich erstens an, dass es gelingt, auch “Personen mit niedrigerem politischem Interesse, geringeren kollektiven Wirksamkeitserwartungen und einer geringeren Wahlbeteiligung zu erreichen” sowie dass die dann Teilnehmenden eher der klassischen Wähler:innenverteilung entsprechen, als bei einem reinen Losverfahren. Aktuelle Projekte sind Wahlkreisräte 2022-24 und der Denkraum Demokratie zu der Frage, wie es mit geloster Beteiligung weiter geht.

Alle, die speziell Bürgerbeteiligungen mit Losverfahren unterstützen wollen, sollten einen Blick auf die Website von Es geht los werfen.

Liquid Democracy

Gerade in Deutschland entsteht manchmal das Gefühl, dass wir uns mit unserer Demokratie noch im letzten Jahrhundert bewegen. Wir nutzen viel zu wenig das einstmalige Versprechen des Internets, die Welt demokratischer zu machen. Dabei ist es fraglos, dass die fortschreitende Digitalisierung und das Internet hervorragende Möglichkeiten zur Demokratieentwicklung bieten. Insofern lohnt sich ein Blick auf diesen Verein und seine Tätigkeiten:

Der gemeinnützige Verein “setzt auf die Potentiale des Internets, um Entscheidungsprozesse zugänglicher zu gestalten”. Dazu entwickeln sie die freie Beteiligungssoftware “Adhocracy“, um die Umsetzung einer digitalen Demokratie zu vereinfachen. Die Software wird immerhin schon von rund 280 Organisationen genutzt und wurde in ca. 600 Beteiligungsprozessen eingesetzt. Eine interessante Möglichkeit für Unternehmen besteht darin, Adhocracy zur Durchführung von Innovationswettbewerben zu nutzen. Darüber hinaus arbeiten die Mitglieder gerade an weiteren Projekten: Demokratie für alle, KOSMO, die Verbesserung von Online-Diskursen durch KI-gestützte kollektiv-soziale Moderation, Civic Europe, die #digitalezivilgesellschaft und die SPD Programmwerkstatt.

Wer all das unterstützen will, findet hier die Website von Liquid Democracy.

3) Digitale Gewalt

Natürlich bietet das Internet nicht nur Vorteile. Es hat beileibe bislang nicht nur zur Demokratisierung beigetragen. Eine dunkle Kehrseite ist die Zunahme digitaler Gewalt: “Die Nachrichtenlage wird von Berichten über die massive Zunahme der Verbreitung von hasserfüllten, irreführenden, diskriminierenden und menschenverachtenden Beiträgen über Facebook, Twitter, Instagram und Co. dominiert, welche in Einzelfällen sogar zu gewaltsamen Übergriffen in der offline Welt führten.” (Tull et al. 2023). Wer sich feige irgendwo in seinen vier Wänden oder sonstwo hinter seinen Endgeräten verstecken kann, hat wesentlich weniger Konsequenzen von HateSpeach etc. zu fürchten, als Menschen, die dies in der “realen” Welt machen. Zumal man(n) (wohl meist Männer, wie üblich zum Thema Gewalt…) sich zudem noch mit Pseudonymen maskieren kann.

Hate Aid

HateAid war die Idee mehrerer Akteur:innen, die sich einzeln schon lange gegen Hass im Netz stark gemacht hatten. 2018 wurde daraus die HateAid gGmbH, eine Organisation, die die Haltung zu digitaler Gewalt in Deutschland maßgeblich verändert hat. ” (Website) Das Team um die Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg hat sich – sozusagen in Ergänzung zu Liquid Democracy – auf die Fahnen geschrieben, die Demokratie im digitalen Raum zu stärken. Also nicht die Digitalisierung und das Internet zu nutzen, um die Demokratie zu verbessern, sondern umgekehrt mehr Demokratie ins Netz zu bringen. Eben weil das mitnichten ein Selbstläufer ist. 

Die gemeinnützige GmbH hat zwei Handlungsfelder: Erstens unterstützt sie Betroffene durch Beratung, Prozessfinanzierung, einen Ratgeber zu digitaler Gewalt und sie informiert über die Erfahrung von Betroffenen und Straftaten im Netz. Zweitens engagieren sich die Mitarbeiter:innen in der Bundes- und EU Politik, vor Gericht, bei Kampagnen/Aktionen und Umfragen/Monitorings. All das ist dringend nötig, um eine respektvollere, friedlichere und konstruktivere Gesellschaft zu entwickeln – damit wir gemeinsam mehr bewegen können, statt Opfer digitaler Gewalt zu werden.

Zur Unterstützung dieser wichtigen Tätigkeit findet Ihr hier die Website von Hate Aid.

hatefree

Ebenfalls als gemeinnützige GmbH aufgestellt, bietet auch hatefree Unterstützung bei der Erfahrung digitaler Gewalt. Etwas genauer: Eine “spezialisierte juristische Unterstützung bei digitaler Gewalt in Form einer Beleidigung, Bedrohung, sexuellen Belästigung oder sonst unerlaubter Handlung”. Das liegt recht nah bei HateAid, aber ich habe ganz bewusst hier noch eine Alternative aufgeführt, denn leider gibt es viel zu viel Fälle und es ist somit umso wichtiger, dass Betroffenen schnell geholfen wird und sie nicht auf irgendeiner Warteliste landen.

Über die juristische Hilfe hinaus bietet der Verein zwei direkte Mehrwerte: Täter werden verpflichtet, den Hass zu löschen und in Zukunft zu unterlassen. Die Nutzer:innen erhalten in schwerwiegenden Fällen Schmerzensgeld. Um dies zu erreichen werden drei Schritte benötigt: (1) Der Vorgang wird über ein Online-Formular gemeldet. (2) hatefree prüft, ob ein rechtliches Vorgehen möglich ist und setzt gegebenenfalls die Rechte der Opfer durch. (3) Im Erfolgsfalle erhalten die Meldenden eine Unterlassungsverpflichtung sowie eventuell Schmerzensgeld.

Der Verein kann regulär durch Spenden unterstützt werden, die natürlich steuerlich geltend gemacht werden können. Hier geht’s zu hatefree.

CORRECTIV

Möglichkeiten gutes zu tun: CORRECTIVDigitale Gewalt beginnt nicht erst bei tatsächlicher Hassrede oder Gewaltandrohung. Sie beginnt meines Erachtens viel früher bei der Kommunikation von Informationen und der damit verbundenen Frage, ob diese Informationen erstens korrekt sind und zweitens nicht der direkten Manipulation dienen, sondern der freien, selbstbestimmten Meinungsbildung. CORRECTIV versteht sich als “gemeinwohlorientiertes Medienhaus, das Demokratie stärkt”, steht für investigativen Journalismus und arbeitet vor allem mit Bürger:innen an den Recherchen und unterstützt die Gesellschaft mit ihren Bildungsprogrammen.

Das Medienhaus bietet eine Vielzahl an spannenden Projekten, von denen ich hier nur drei vorstelle: CORRECTIV.Lokal ist ein bundesweites Netzwerk für Lokaljournalismus, damit lokale Medien gemeinsam auch umfangreiche Recherchen durchführen kann. CORRECTIV.Klima ist eine eigene für dieses Thema bereitgestellte Redaktion. Zusammen mit lokalen Akteuren soll recherchiert werden, wie man der Krise begegnen kann. Die Online-Akademie Reporterfabrik und Bürgerakademie bietet ein Bildungsprogramm mit über 100 geplanten Workshops und 1000+ Tutorials rund um das journalistische Handwerk.

CORRECTIV ist als gemeinnützige GmbH ebenfalls spendenfähig.

 

Soweit meine Vorschläge. Es würde mich freuen, wenn ich zur einen oder anderen Spende beigetragen habe. Euch allen noch alles Gute fürs neue Jahr, bleibt/werdet gesund und zuversichtlich.

 

Herzliche Grüße

Andreas

 

 

Fußnoten

[1] Wer detailliertere Infos sucht, als auf der Website des Umweltbundesamts kurz dargestellt, sollte einen Blick in den letzten Bericht des UBA werfen: Umweltbewusstsein in Deutschland 2020.

[2] Äußerst interessant sind in diesem Zusammenhang bereits erfolgreich eingesetzte Personenrechte für Naturareale: Beispielsweise der kanadische Fluss Rivière Magpie, der Maori-Fluss Wanghanui in Neuseeland, der Klamath in Kalifornien oder die Lagune Mar Menor in Spanien.

 

Literatur

  • Aitken, A. (2019): Measuring Welfare Beyond GDP. National Institute Economic Review 249, Nr. 1 (2019): R3–16. https://doi.org/10.1177/002795011924900110.
  • Hickel, J. (2020): Weniger ist mehr. Warum der Kapitalismus den Planeten zerstört und wir ohne Wachstum glücklicher sind. Oekom
  • Levermann, A. (2023): Die Faltung der Welt. Wie die Wissenschaft helfen kann, dem Wachstumsdilemma und der Klimakrise zu entkommen. Ullstein
  • Sahr, A. (2022): Die monetäre Maschine. Eine Kritik der finanziellen Vernunft. C.H.Beck
  • Tull, B.; Dinar, C.; Ebner, F. (2023): DiDaT Weißbuch: Orientierungen zum verantwortungsvollen Umgang mit Daten Supplementarische Information 5.2. Nomos eLibrar
  • Woynowski, B. et al. (2012): Wirtschaft ohne Wachstum? Notwendigkeit und Ansätze einer Wachstumswende. Arbeitsbericht. Institut für Forstökonomie, Universität Freiburg.
  • Zhang, J. et al. (2023): Beyond GDP: Using Healthy Lifetime Income to Trace Well-Being over Time with Estimates for 193 Countries. Social Science & Medicine 320 (2023): 115674. https://doi.org/10.1016/j.socscimed.2023.115674.
  • Zeuch, A. (2023): Demokratischer Spillover. Wie Unternehmen unsere Demokratie stärken können. In: izbd² (Hrsg.): D²-Sourcebook Demokratie und Diversity in Betrieb(en). izbd²: 55-58. (Auf Anfrage Kostenlos als PDF)

 

Bildnachweis

  • Beitragsbild: ©Neil Thomas, unsplash lizenzfrei
  • Korallenriff: ©Shifaz Abdul Hakkim, unsplash lizenzfrei
  • Demokratie: ©Fred Moon, unsplash lizenzfrei

 

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